Bericht zum Vortrag “Ein Leben für den Frieden”

Verfasst von - 3. Dezember 2019 - Neuigkeiten EAPPI

Sumaya Farhat-Naser am 24. November 2019 in der Grazer Heilandskirche

Etwa 50 Personen hatten sich am Abend der Landtagswahl in der Steiermark im Gemeindesaal der Grazer Heilandskirche eingefunden, um den Ausführungen der palästinensischen Friedens- und Menschenrechtsaktivistin Sumaya Farhat-Naser zu lauschen. Die Besucher wurden nicht enttäuscht. Völlig frei in bestem Deutsch sprechend zog sie die ZuhörerInnen eineinhalb Stunden lang mit leidenschaftlichen Worten in ihren Bann.

Im ersten Teil ihrer Rede sprach sie über die Staatsgründung Israels, fand deutliche Worte gegen den Antisemitismus, forderte aber auch ganz entschieden das Recht der PalästinenserInnen auf ein Leben in Freiheit ein. Sie sprach ausführlich über den Oslo-Friedensprozess und erklärte die 3-Zonen-Einteilung, schilderte mit haarsträubenden Beispielen das große Unrecht, wie die fortgesetzte und immer schlimmer werdende Enteignung palästinensischen Landes und Diskriminierung seiner Menschen.

Als ein Beispiel der Diskriminierung der PalästinenserInnen führte sie das Wasser an: so kostet der Kubikmeter des von dem israelischen Unternehmen Mekorot verwalteten und geförderten Wassers, das vor allem aus dem zentralen Aquifer des Westjordanlandes und dem See Genezareth abgeleitet wird, für Israelis 0,8 Schekel, für SiedlerInnen in den besetzten palästinensischen Gebieten 0,3 Schekel und für PalästinenserInnen 7,5 Schekel.

Die fortwährende Landenteignung schilderte Sumaya Farhat-Naser am Beispiel ihrer eigenen Familie: sie bekommen immer wieder Bescheide, dass ein bestimmtes Land “für öffentliche Zwecke”, oftmals bedeutet das “Siedlungsbau”, enteignet wird. Im Bescheid steht auch, dass eine Entschädigung bezahlt wird, diese basiert auf den Daten aus der osmanischen Zeit, das heißt, die Menschen bekommen Beträge, welche fünf Euro nicht überschreiten.

Die Rednerin scheut nicht davor zurück, mit deutlichen Worten über die Korruption zu sprechen, nicht nur in Israel, sondern auch in Palästina und, dass die Menschen in Palästina noch immer auf Neuwahlen warten und hoffen.

Im zweiten Teil des Vortrages erzählt sie über ihre Friedensarbeit mit israelischen Frauen, die nach langen und mühsamen Streitgesprächen und immer unter Respektierung der Würde des Gegenübers auf Augenhöhe stattfinden konnte. Weil der Verkehr durch die Trennungsmauer und gesetzliche Regelungen fast gänzlich ungmölich wurde, sind auch diese regelmäßigen Gespräche für einen gerechten Frieden inzwischen abgebrochen. Weiters erzählte sie uns von ihren aktuellen Projekten mit Frauengruppen und Kindern, wo sie Gewaltfreiheit durch Empowerment und Aufbau des Selbstvertrauens lehrt und untermauerte diese Ausführungen mit Bildern, mit denen sie den ZuhörerInnen ihr Leitmotiv der Zuversicht und ihren Glauben an die Jugend nochmals bildlich darstellte.

In der anschließenden Diskussion und beim Abschluss-Büfett beantwortete sie eine Reihe von Fragen. Es war ein wertvoller Abend. Der Dank gebührt dem gastgebendem Evangelischen Bildungswerk, allen MitveranstalterInnen und KooperationspartnerInnen und vor allem den zahlreichen BesucherInnen.